GUTE BÜCHER - STARKE TEXTE

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  • L. Kowalski / Ein Prosakessel Buntes

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Ein Prosakessel Buntes

Die Texte von Laabs Kowalski - von Max Gutleut, Listen, Heft 67

 

In regelmäßigen Abständen geht ein Wehklagen und Jammern durch die Gemeinde der Literaturkritiker und Buchhändler. Es gäbe, so heißt es dann, in der deutschsprachigen Literatur keine wirklichen Erzähler. Das ist also nicht weiter bemerkenswert. Erstaunlich aber bleibt, dass fulminante Erzähltalente zuallererst von diesen Kreisen ignoriert werden. Mein Lieblingsbeispiel in diesem Zusammenhang ist und bleibt Johann Beer, einer der großartigsten und amüsantesten Erzähler im deutschsprachigen Raum, und bis heute eher ein Gerücht der Literaturgeschichte als ein vielgelesener Autor. So wird wohl auch Laabs Kowalskis "Der merkwürdige Mann im Cafe" nach diesem Pawlowschen Literaturgesetz eher übersehen werden. Und das ist durchaus schade, denn der bei KILLROY media in der Reihe "10 + 1 Stories" erschienene Band bietet mit seinen 11 abwechslungsreichen Geschichten gute Unterhaltung. Die Stories sind in der Tat, was Stoff, Plot, Stillage und Erzählhaltung angeht, erfreulich heterogen. Die meisten sind auf eine überraschende oder witzige Auflösung am Ende der Erzählung hin gebaut, zum Beispiel "Das Grauen lauerte in der Studenten-WG", weshalb auch allzu genaue Wiedergaben sich an dieser Stelle verbieten. Die Pointe kann auch drastisch ausfallen wie in "Silvester in Berlin" oder in "Mutterstück". "Die allerallertraurigste Geschichte der Welt" dagegen ist wunderbar überdreht und kommt schnell vom Hölzchen aufs Stückchen, wobei der indianisch klingende Name Potayawarzl und seine vielfachen Bedeutungen schließlich das Erzählkommando übernehmen. Der Grundeinfall der Geschichte "Übernachtung im Hotel Liberal" ist für meinen Geschmack ein wenig zu breit ausgewalzt, er hängt indirekt mit der Todesart Chet Bakers zusammen, dem sie gewidmet ist, bietet aber zahlreiche abstruse Momente und skurrile Typen. "Look-A-Like-Luke" kennt den Grund für das immer wieder auftauchende Gerücht, Elvis lebe. Unter all den auf Effekt und Pointe gearbeiteten Stücken fällt eines schon alleine dadurch auf, dass es anders verführt und, fast ein wenig ziellos wirkend, von dem Moment erzählt, da jemand aus seiner Welt fällt. Damit kommt ein Moment von Ernsthaftigkeit auf, das der Sammlung insgesamt eher fehlt. Die längste Erzählung, "Abenteuer am Strom", erinnert in ihren besten Momenten von Ferne an Walter Serners um die Ecke gepfiffenen Räuberpistolen. Kurz und gut: Kowalski "verfügt über ein ansprechendes erzählerisches Geschick wie über eine reiche Phantasie". Mit diesen Worten wird der merkwürdige Mann aus der Titelgeschichte bedacht. In dieser knappen, erfreulich doppelbödigen Erzählung wird von einem Schriftsteller berichtet, der leibhaftig in seine eigene Fiktion gerät, aber nicht mehr herausfindet - aus einem Grund, der dem detailversessenen Leser Nabokov gefallen hätte. Stilistisch besehen, verwendet Kowalski oft Elemente des Pulp oder Groschenhefts ("die zierliche Frau im derben Kostüm trug aufregende Züge") und die wohl eher nur halbwegs parodistisch. Eine zuweilen etwas enervierende Vorliebe für Adjektive sowie für hard-boiled Metaphern wirken wie aus einem Seminar für kreatives Schreiben entlaufen. Eigenartigerweise stört dies aber alles in allem nicht weiter das Lesevergnügen. Wer Lektüre für eine mittellange Bahnfahrt sucht, ist mit diesem Buch gut bedient.

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