GUTE BÜCHER - STARKE TEXTE

JUNGE AUTOREN UND IHRE DEBÜTS

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Frankfurter Buchmesse 2016

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09/18/15

Frankfurter Buchmesse 2015

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Halle 4.1-F98 (Standnummer)

09/18/15

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Der Waran

Caspar Jenny

ISBN 978-3-931140-15-1

Killroy Media, 2015

Killroy Roman

244 Seiten

10/10/12

Frankfurter Buchmesse 2013

09.-13. Oktober 2013

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08/31/13

Neuerscheinung zur Buchmesse 2013

Fussballmord

Frank Salewski

ISBN:  978-3-931140-16-8

Killroy Media, 2013

Killroy 10 + 1 Stories

147 Seiten

04/01/13

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Videobeitrag - Kranke Seelen - Radio Bremen TV

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Fixpoetry

Ein vergessener Lausbube hat überlebt

 - neu übersetzt von Ni Gudix

?Ich besitze nur zwei Fähigkeiten: ich kann ein wenig schreiben und ich kann mit den Ohren wackeln. Da das Ohrenwackeln nichts einbringt, habe ich mich aufs Schreiben verlegt. Sobald eine Arbeit fertig ist, trinke ich eine Flasche Wein, zur Belohnung. Damit ich schneller an den Wein komme, werden meine Arbeiten immer kürzer. Man nennt das dann: Meister der kleinen Form.?  bekannte der heute vergessene Kurt Kusenberg 1950.?Mit ihm hat man auch das ?Tagebuch des bösen Buben? vergessen, einen Klassiker der Lausbuben-Literatur, den Kusenberg zu Beginn der siebziger Jahre bei  Rowohlt in einer neuen Fassung herausbrachte. Gemäß seinem Motto, schnell zum Ziel zu kommen, nutzte er dabei die alte Übersetzung von Josef Botstiber, die einmal in den Zwanziger und einmal Mitte der Dreißiger Jahre erschienen war, strich sie ordentlich zusammen, machte Georgie Hackett, den achtjährigen Titelhelden, flugs zwei Jahre älter und ebnete alles ein, was den Erfiolg stören konnte und das war eine ganze Menge. Solchermaßen umgemodelt konnte das Buch auf der aus den Sechzigern in die Siebziger überschwappenden Lausbubenwelle mitschwimmen und neben den beliebten filmischen Oberlümmeln wie Hansi Kraus Erfolg haben.??Wenn Kusenberg sich die Zeit genommen und das Buch zunächst im Original gelesen und dann von dort mit allen seinen Besonderheiten neu ins Deutsche übersetzt hätte, wäre der Aufwand um eine Vielfaches höher gewesen, denn ?A Bad Boys?s Diary? ist mehr als nur ein 1880 in New York anonym erschienenes Kinderbuch ? es ist ein bemerkenswertes literarisches Ereignis, das bislang nur nicht in seiner eigentlichen Form in der deutscher Sprache stattgefunden hat. Inhaltlich haben sich viele an dem ?Ur-Lausbuben der Weltliteratur? angelehnt (so ist der neben Pinocchio jedem italienischen Kind durch seine Tagebücher bestens bekannte Gian Burasca ? Hans Wirbelwind - im Prinzip nur ein Plagiat des Georgie Hackett), das Besondere des Originals konnte keiner leisten: es ist ? revolutionär für seine Zeit - im Slang geschrieben.??I was ate years ole yesturday, an Mamma she sez to me? ? beginnt das Buch und lebt nicht nur von den unglaublichen Stories, sondern auch von den vielen Wortspielen und einem lausbübisch frechen Jargon. Botstiber, der erste Übersetzer, hat das versucht durch künstliche und gekünstelt wirkende Rechtschreibfehler nachzuahmen und Kusenberg hat es dann ganz weggelassen. Bei ihm schreibt der Zehnjährige, der die Schule schwänzt und das Tagebuchschreiben nur dadurch lernt, weil er bei seiner Schwester spioniert, oberkorrekte Orthografie.??Ni Gudix, die deutsche und englische Literatur in Konstanz und Dublin studiert hat und heute in Berlin lebt, hat nun erstmals eine deutsche Übersetzung erarbeitet, die dem Original wirklich gerecht wird.?Und erschienen ist das Buch nicht bei Rowohlt, sondern in Michael Schönauers killroy media Verlag in Asperg, der uns auch schon so vergessene Perlen wie die Erinnerungen des Berufsverbrechers Jack Black an den Aufstand in Folsom Prison ausgegraben hat.

Und erstmals findet auch die Autorin des Buches bis auf den Titel ? Metta Victor (1831-1886), als neunfache Mutter mit Lausbubenstreichen übrigens bestens vertraut, hatte das Buch zunächst anonym erscheinen lassen, weil sie glaubte, damit ihrem Ruf als Autorin von Groschenromanen vielleicht schaden zu können. Sie schrieb unter verschiedenen Pseudonymen verschiedene Genres ? so gibt es Kochbücher von ihr unter ihrem eigenen Namen, Liebesromane als Corrine Cushman,  Mysteriöses als Seeley Regester und dergleichen Arrangements mehr. In die Geschichte der Groschenromane ist sie eingegangen als Begründerin des Detektivromans: in ihrem 1866 erschienenen Roman ?The Dead Letter? jagt ein Detektiv einem von Anfang an bekannten Bösewicht nach und nutzt dabei die paranormalen Fähigkeiten seiner Tochter.?Phantasiereich war Metta Victor. Ihr erstes Buch ? Last Days of Tul, A Romance of the Lost Cities of Yucatan -  schrieb sie mit 15 und es wurde prompt veröffentlicht.??Zurück zu Georgie Hackett.??George ist ein Wirbelwind, der in demselben Tempo, wie er durchs Haus fegt, auch die Feder benutzt?? schreibt die Übersetzerin. Er bittet das Tagebuch um Verzeihung und verzeiht sich selbst, weil ihm ja alles nur zufällt. ?Ich bin vurchbar. Dir mein Tagebuch muß ich meine sünden Gestehn. Ich wollts doch nich. Wieso krieg ich dann die Schuld?? ? ?Ich bin n schlimmer schlingel, aber nicht absichtlig, s pasiert halt.? ? So ist das. Dinge passiern, weil sie passiern. Ni Gudix trifft den Ton und den Charakter. Selbst wenn sie Ausdrücke modernisiert, ein ?Fuzzi? auftaucht, dann wohlüberlegt und passend zum Ganzen. Bisweilen läßt sie uns über Fußnoten teilhaben an den übersetzerischen Herausforderungen und an den Mühen, die aufzuwenden waren schon im kleinsten Kontext (und man versteht, wovor Kusenberg zurückschreckte). Es ist ihr gelungen Georgie in seinem deutschen Tagebuch einen Slang schreiben zu lassen, den man munter in einem Zug runterlesen kann und wenn man das Buch dann aus der Hand legt, fließt die eigene Sprache noch eine Weile in diesem Takt. Michael Schönauer und Ni Gudix haben etwas Wunderbares daraus gemacht. 

 

Besprechung: Frank Milautzcki

 

Metta Victor: Tagebuch von nem schlimmen Schlingel. Aus dem Amerikanischen von Ni Gudix. Killroy media, Asperg 2011.

 

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