GUTE BÜCHER - STARKE TEXTE

JUNGE AUTOREN UND IHRE DEBÜTS

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Frankfurter Buchmesse 2016

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Frankfurter Buchmesse 2015

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Der Waran

Caspar Jenny

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Killroy Media, 2015

Killroy Roman

244 Seiten

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Neuerscheinung zur Buchmesse 2013

Fussballmord

Frank Salewski

ISBN:  978-3-931140-16-8

Killroy Media, 2013

Killroy 10 + 1 Stories

147 Seiten

04/01/13

Killroy media - Neue Adresse

 

KILLROY media

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Wachtelweg 5

71634 Ludwigsburg

Telefon: 07141 - 260019

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Videobeitrag - Kranke Seelen - Radio Bremen TV

Kranke Seelen - Bremer Autor und Lehrer Frank Salewski über Kriegsheimkehrer

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Rheinische Post, Düsseldorf, 10.08.2000

"I'm a poet", sagt der Düsseldorfer Autor Philipp Schiemann, der arrogant wirkt, nachdenklich ist und das Schöne sucht. "Ich habe wieder einmal hardcoremäßig Geldprobleme, Miete, Krankenkasse, Nebenkosten, Telefon, es ist alles offen. Trinke literweise Kranwasser, damit ich den Hunger nicht mehr spüre. Es wird langsam Zeit für einen ordentlichen Mundraub, im Real-Supermarkt einfliegen, den Liegestuhl vor der Kühltheke aufstellen. Den Fjord-Lachs zu mir, ihr Wichser!" * Eine harte Stimme. Eine gehässige Stimme. Arrogant klingt sie. Genüsslich raunzt sie in kurzen Prosastücken politisch Unkorrektes heraus, kehrt immer wieder zu Vulgär-Ausdrücken zurück. Fast unerträglich arrogant klingt der Düsseldorfer Underground-Künstler Philipp Schiemanm auf seiner CD "I'm a poet". Erlebt man den 30-Jährigen dann life - etwa kürzlich auf einer Lesung im Düsseldorfer WP8 - ist man überrascht. Der Mann am Mikro ist zerbrechlich schmal, das Gesicht verletzlich-sensibel-intelligent, die Schultern vorgebeugt, die Augen melancholisch. Hin und wieder lacht er selbstironisch auf, wenn er allzu drastisch formuliert hat. Stimme und Aussehen sind nicht der einzige Widerspruch bei dem Mann, dessen eine Körperhälfte tätowiert ist, die andere unbeschrieben. "Der soll ein ziemlicher Idiot sein", murmelt ein etwa 18-jähriger Zuschauer im WP8. "Der Mann ist Kult", sagt hingegen Michael Schönauer vom KILLROY media Verlag in Asperg; das muss er auch, verlegt er doch schließlich das einzige Hardcover-Buch von Schiemann, "Suicide City". "Schiemann ist eine faszinierende Persönlichkeit", fügt sein Verleger hinzu. "Ein umgänglicher Mensch mit sehr viel Tiefe." Und Philipp Schiemann selbst nennt sich Musiker, Autor und Schauspieler. Von ihm sind neben "Suicide City" ein Band mit Kurzgeschichten im Berliner Andre-Henze-Verlag sowie weitere Kurzgeschichten in Anthologien (Anmerkung des Verlags, SOCIAL BEAT SLAM!poetry Bd. 1 - 3) erschienen. Er singt in einer Rock-Band und hat in Selbstproduktion fünf CDs herausgebracht. Mit seiner Slam-Literatur tourt er durch Deutschland (300 Mal ist er seit 1996 aufgetreten). Im vergangenen September hat er sogar in San Francisco gelesen - auf Einladung des Goethe-Instituts. Im Herbst erscheint im KILLROY-Verlag ein Band mit Lyrik und Fotos von Schiemann. Jetzt schreibt er an seinem ersten Roman. "Im Grunde ist es eine simple Geschichte", sagt Schiemann, "Es ist die Story von der Mafia und einem Überfall auf eine Bank, bei dem zufällig ein Schwarzgelddepot getroffen wird. Doch dies ist nur die Rahmenhandlung, nur ein Konstrukt, um auf Gleisen zu fahren, wie ich will." Denn was ihn eigentlich interessiert, ist das Elementare: Liebe, Tod, Hunger, Trieb. Das sagt er in seiner Bilker WG-Wohnung. Wieder in einem engen T-Shirt. Eine Tasse mit Pfefferminztee und eine schwarze Schachtel Zigaretten der Marke John Player Special vor sich. Warum er mit zehn Jahren angefangen habe, zu schreiben? Er denkt kurz nach, blickt aus dem Fenster, grinst und sagt, "wahrscheinlich, weil ich vor der Klasse cool dastehen wollte". Später spricht er davon, wie schwierig es ist, bewusst zu leben, von der Zen-Meditation, über persönliche Entwicklung, dass man nur an sich selbst arbeiten könne und dass bei ihm "noch viel im Argen sei". Ein offener, ein nachdenklicher Mensch. Der die arrogante Wirkung seiner Stimme auf der CD nicht mag. Das ist verblüffend, wirken doch viele seiner Texte, als lehne er die Gesellschaft und die meisten ihrer Mitglieder ab, als habe er nur Verachtung und Hass für sie übrig und neige zur Selbstgefälligkeit. Eine Kostprobe aus der frühen Kurzgeschichte "So siehts aus": "Oh Gott. Er haßte die Menschen. Er haßte selbstverständlich auch sich selber. Es war ein unerträglicher Zustand, aber ihm kam es zumindest ehrlich vor. Er war des Hinnehmens müde. Er fragte sich, wie man überhaupt darüberstehen sollte. Die Leute, die diesen Scheiß erzählten, zahlten doch selber jede Menge drauf. Er verstand das alles nicht. Wenn er sich aufregte, schien es ihm, als wäre er der einzige Mensch, der die Dinge wirklich klar sieht." Das würde er so nicht mehr schreiben, sagt Schiemann. Verbitterung und Hass findet er schlecht. Er will weg von den plastisch-drastischen Beschreibungen von Sex und Sex-Phantasien, die bislang eins seiner Hauptthemen waren. Er will sein Spektrum erweitern, mehr über Schönheit schreiben, sei diese doch schwieriger und "subtiler". Das einzige Werk, das er jetzt noch stehen lässt, ist "Suicide City". Eine Dokumentation des Randes Der Text über Drogensüchtige hat sprachliche Kraft. Schiemann gelingen dichte, atmosphärische Beschreibungen; der Schluss ist aberwitzig-fantastisch. Aber warum keine Sprache, die noch nackter und kompromierter ist und auf die vielen umgangssprachlichen Ausdrücke wie "erstmal" und "ungeheuerlich" verzichtet? Denn so erinnert sie an die Sprache von Büchern wie Christiane F.s "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Als Dokumentation vom Leben am Rande der Gesellschaft geeignet. Aber als Literatur mit Kunstanspruch? Schiemann verbindet mehr mit Christiane F. Auch er hatte eine wilde Zeit im Drogenmilieu, war sechs Jahre drogen- und alkoholsüchtig. Deshalb sagt auch sein Verleger Schönauer: "Er ist eine integre Person; zwischen seinem Schreiben und der Wirklichkeit gibt es keine Diskrepanz." Vielleicht liegt es auch an diesem Mythos vom Künstler, der alles durchgemacht hat, und der coolen Ausstrahlung des Mannes, die ihm - neben seinem kreativen Potenzial - in der Szene Popularität sichern. Doch die Outlaw-Seite ist ähnlich wie sein halbseitig tätowierter, halbseitig weißer Körper nur ein Teil von Schiemann. Man ist auf diese andere, hellere Seite gespannt.

 

Karen Wientgen

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